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Basishygieneordnung der UMR

Externe Ventrikeldrainage

(= Abl. des Liquors aus den Hirnventrikeln über einen Katheter nach außen)

1. Anlage einer Ventrikeldrainage

1.1 Vorbereitung eines Patienten zur Anlage einer Ventrikeldrainage

  • Anlage einer Ventrikeldrainage erfolgt unter sterilen Bedingungen im OP
  • Operationsfeld unmittelbar vor der Operation großzügig rasieren (bevorzugt elektrische Haarschneidemaschine)

1.2 Durchführung

  • Spitze des Ventrikelkatheters wird über ein frontales Bohrloch in das Vorderhorn eines der beiden Seitenventrikel implantiert und über eine getrennte Stichinzision möglichst langstreckig aus der Haut herausgeleitet
  • Verbindung des proximalen Endes des Ventrikelkatheters mit dem ableitenden System (z.B. Hanni-Set®)
  • Katheter wird mit einer durchgreifenden Naht an der Kopfhaut befestigt
  • Einstichstelle der Drainage wird mit sterilem Transparentverband abgedeckt
  • um eine Hirndruckmessung (Liquordruckmessung) durchzuführen, muss ein Ableitungs­system mit einem integrierten Druckwandler (Trancducer) angeschlossen werden (Höhe des Foramen Monroi - etwa äußerer Gehörgang)

2. Verbandwechsel

Vor jeder Manipulation am Drainagesystem bzw. am Katheter ist eine hygienische Händedes­infektion durchzuführen und Handschuhe zu tragen.

  • keimarme Handschuhe anziehen
  • alten Verband entfernen, zusammen mit den Handschuhen entsorgen
  • Hygienische Händedesinfektion!
  • 2 Möglichkeiten für weiteres Vorgehen:
    • keimarme Handschuhe + steriles Instrumentarium, wenn Handkontakt mit der Eintrittsstelle der Ventrikeldrainage nicht erforderlich ist
    • sterile Handschuhe + steriles Instrumentarium, wenn Handkontakt mit der Wunde erforderlich ist
  • ggf. Wundabstrich vornehmen (nach ärztl. Anordnung)
  • Beurteilung der Drainagestelle
  • Desinfektion/Reinigung mit sterilen Kompressen/Tupfern
  • weitere Maßnahmen nach ärztlicher Anordnung
  • neuen Verband fixieren
  • Handschuhe entsorgen
  • Hygienische Händedesinfektion!
  • Bei Auftreten klinischer Zeichen einer Infektion, bei Durchfeuchtung, Verschmutzung oder Lageverschiebung des Verbands sowie jeder anderen Komplikation muss der Verband sofort gewechselt werden.
  • Die Entfernung des Verbands, des Nahtmaterials sowie der Drainage bzw. jeder Verbandwechsel erfolgt unter Anwendung aseptischer Arbeitstechniken.
  • Entfernung der Drainagen nur durch Ärzte der Neurochirurgie
  • Während der Maßnahmen Aktivitäten wie z. B. Betten, Reinigungsarbeiten etc. unterlassen, Fenster und Türen geschlossen halten.
  • Das Sprechen über freigelegten Wunden bzw. offenen Verbänden sollte auf ein Minimum reduziert werden.

3. Versehentliche Diskonnektion der Ventrikeldrainage

  • ein Neurochirurg muss unbedingt informiert werden, da Mikroorganismen in das Drainagesystem eindringen und z. B. eine Meningitis verursachen können
  • Die Kriterien ob die Ventrikeldrainage dann gezogen werden muss (Entscheidung durch Neurochirurgen),
    hängt davon ab:
    • wie lange die Drainage liegt
    • wo das System diskonnektiert ist (evtl. reicht ein Systemwechsel)
    • wie lange das System diskonnektiert war
    • ob der Patient noch eine Ventrikeldrainage benötigt
    • Wenn der Patient die Ventrikeldrainage noch benötigt, müssen Risiken abgewogen werden: neue Drainage (erneute OP) oder das Infektionsrisiko

4. Liegedauer

Da durch die Ventrikeldrainage das Infektionsrisiko relativ hoch ist (ca. 1% pro Liegetag,
ca. 6-7% insgesamt, in der Literatur, aber stark abhängig von Definition), muss die Eintritts­stelle täglich kontrolliert werden.

Bei Entzündungszeichen muss das Risiko der Neuanlage gegenüber dem Belassen der Drainage unter antibiotischer Behandlung abgewogen werden. Entschließt man sich zur Entfernung, ist die Drainage sofort zu entfernen und die Katheterspitze in die Mikrobiologie einzuschicken.

Ab dem 3. Tag ist täglich unter sterilen Kautelen Liquor aus dem System zu entnehmen und zur Untersuchung auf Zellzahl und Eiweiß einzusenden.

Bei klinischem Verdacht auf Infektion bzw. entsprechendem Befund von Zellzahl/Eiweiß/Laktat wird Liquor zur bakteriologischen Untersuchung geschickt. Dieses erfolgt am günstigsten durch Überimpfung des Liquors in eine aerobe und eine anaerobe Blutkulturflasche.
Routinemäßige bakteriologische Kontrollen bei fehlendem Infektionsverdacht sind nicht angezeigt.

Laut mündlicher Mitteilung des Herstellers ist unter technischen Gesichtspunkten ein Wechsel des Ventrikeldrainage–Ablaufsets (hier Hanni-Set®) erst nach 28 Tagen erforderlich. Sofern die o.g. hygienischen Regeln strikt eingehalten werden, gilt dieser Wechselrhythmus auch unter hygienischen Gesichtspunkten.

5. Lagerung eines Patienten mit einer externen Ventrikeldrainage

Bei der Lagerung eines Patienten mit einer Ventrikeldrainage ist immer darauf zu achten, dass der Druckaufnehmer in der richtigen Höhe platziert wird (abhängig von Indikation, Höhe bzw. tägliche Drainagemengen, ärztliche Anordnung) bzw. nach der Lagerung die Höhe des Trans­ducers bei Ventrikeldrainagen zur ICP-Messung korrigiert wird ('Monroi-Höhe').

Dasselbe gilt auch für die Abtropfkammer, da ansonsten entweder zu viel Liquor (verursacht Liquorunterdrucksyndrom mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Gangunsicherheit, ggf. sogar Provo­kation einer subduralen Blutung) oder zu wenig Liquor ablaufen kann.

Ein versehentliches Ziehen ist unbedingt zu vermeiden, das Freiliegen des Schlauchsystems für den ungehinderten Abfluss des Liquors ist zu gewährleisten. Ebenso muss darauf geachtet werden, dass der sterile Belüftungsfilter des Drainagesystems beim Umlagern etc. nicht durch Rücklauf von Liquor befeuchtet wird (deshalb vor Umlagern unbedingt entsprechenden Rück­laufhahn abklemmen!), da ansonsten kein Druckausgleich mehr erfolgen und kein Liquor mehr ablaufen kann.

6. Pflegerische Maßnahmen beim Entfernen der Ventrikeldrainage

  • Hygienische Händedesinfektion
  • keimarme Handschuhe anziehen
  • Desinfektion / Reinigung mit sterilen Kompressen / Tupfern
  • Entfernung der Annaht (Fixation des Ventrikelkatheters)
  • vorsichtiges Ziehen des Katheters (Nur durch Ärzte der Neurochirurgie!)
  • Sekundärnaht unter sterilen Kautelen
  • Anlegen eines sterilen Verbands

Stand: November 2015


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