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II - Nukleinsäurenachweise



Bordetella pertussis und Bordetella parapertussis


Allgemeines

  • Die Labordiagnostik der akuten Erkrankung erfolgt vorrangig über die PCR.
  • Die PCR ist hochsensitiv und Erreger-spezifisch.

Indikation

Verdacht auf Keuchhusten (Pertussis)

  • Bei Kindern typischer Verlauf in 3 Stadien:
    • I.   S. catarrhale
    • II.  S. convulsivum
      (stakkatoartiger Husten tlw. mit anschließendem Erbrechen, inspira­torischer Stridor)
    • III. S. decrementi
  • Bei Jugendlichen/ Erwachsenen:
    • meist unspezifischer chronischer (länger als 2-3 Wochen anhaltender) Husten

Dauer der Auftragsbearbeitung

  • Ein Nachweis ist innerhalb von 2-3 Werktagen nach Einsendung möglich

Untersuchungsmaterial

Respiratorische Materialien

  • Nasopharyngealab­strich,
  • Nasopharyngeal- bzw.
  • Bronchialsekret

Nachweisverfahren

PCR Bordetella pertussis

Verfahren

  • multiplex nested PCR (B. pert. / parapert. in einem Ansatz)

Zielgen

  • Insertionselement IS484

PCR Bordetella parapertussis

Verfahren

  • multiplex nested PCR (B. pert. / parapert. in einem Ansatz)

Zielgen

  • Insertionselement IS1001

Bemerkungen

FÜR DIE PCR-DIA­GNOSTIK SIND AM BESTEN DIE ENT­NAHMEBESTECKE DER ZENTRALAPOTHEKE GEEIGNET!

  • Eventuelle antibiotische Vortherapien senken die Sensitivität der PCR etwas;
  • Nukleinsäurenachweise sind jedoch unabhängig von der Erregervitalität
    (siehe Allgemeine Be­merkungen zur Molekular­biologische Diagnostik).
  • Die kulturelle Anzüchtung ist weniger sensitiv und zeitaufwändiger
    (mind. 3 Tage Bebrütungszeit).
  • Der indirekte Infektions­nachweis über Antikörper­bildung (IgG/IgM/IgA) mit­tels ELISA ist frühestens in der 2. Woche des Stadium convulsivum sinnvoll.
  • Die derzeit verwendeten azellulären Impfstoffe ge­gen B. pertussis induzie­ren nie eine IgA-Antwort, was eine serologische Unterscheidung einer Impfantwort von einer In­fektion ermöglicht.

siehe Infektionsserologie „Bordetella pertussis/ pa­rapertussis,“

siehe auch Hygienemerk­blatt „Pertussis (Keuch­husten)“


Spektrum nachgewiesener Erreger

  • Bordetella pertussis (IS484)
  • Bordetella holmesii (IS484)
  • Bordetella parper­tussis (IS1001)

Sensitivitätsgrenze des Verfahrens

Bordetella pertussis

  • ≥ 100 Genomäquivalente

Bordetella parapertussis

  • ≥ 100 Genomäquivalente

ICD10-Kodierung

Keuchhusten durch Bordetella pertussis

  • A37.0

Keuchhusten durch Bordetella paraper­tussis

  • A37.1

Interpretation

Die Interpretation hat immer im Kontext mit dem klinischen Bild zu erfolgen.

  • Ein positiver Nachweis von Bordetella pertussis oder Bordetella parpertussis-spezifischen DNA-Sequenzen in hoher Kopienzahl (= positive 1. PCR) ist nahezu beweisend für eine Infektion.
  • Positive Nachweise in geringer Kopienzahl aus Respiratorischen Material (= positive nested PCR) können im Frühstadium oder bei einer kürzlich zurück liegenden Infek­tion vorkommen.

Meldepflicht

  • Bei Verdacht auf eine akute Infektion von Bordetella pertussis ist nach § 2 der Infek­tionsmelde-Verordnung (IFMeldeVO M-V) in Mecklenburg-Vorpommern der direkte oder indirekte Nachweis von Bordetella pertussis (Kultur, PCR, Serologie) durch das die Patienten-Materialien bearbeitende Labor meldepflichtig.
  • Für den behandelden Kliniker ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und der Tod durch Pertussis nach § 1 der Infektionsmelde-Verordnung (IFMeldeVO M-V) in Mecklenburg-Vorpommern meldepflichtig!

Alle Befundinterpretationen können nur im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen!


Stand: März 2007


Auszug Einsenderhinweise


Hygienemerkblatt

Pertussis (Keuchhusten)

Meldepflicht

Lt. § 6(1) IfSG bei Verdacht, Erkrankung, Tod und lt. §7 (1) beim direktem oder indirektem Nachweis von Bordetella pertussis oder Bordetella parapertussis sofern der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist, namentlich zu melden an:

Gesundheitsamt, Abteilung Infektionsschutz
Paulstraße 22; 18055 Rostock
0381 3815369

Pflichtformular lt. Infektionsschutzgesetz § 6 (1)

Formulare sind über hier bzw. im SAP abrufbar.

Meldepflichtig ist der feststellende Arzt.

Erreger

Bordetella pertussis

Infektiöses Material

Atemwegsekrete

Übertragungsweg

Tröpfcheninfektion (innerhalb eines Abstand bis ca 1 Meter durch Husten, Niesen o. Sprechen )

Kontaktinfektion über kontaminierte Hände, selten auch über Gegenstände möglich

Inkubationszeit

7 – 20 Tage

Dauer der Infektiosität

Beginnt am Ende der Inkubationszeit und kann bis zu 3 Wochen nach Beginn des Stadium convulsivum andauern.

Bei Durchführung einer antibiotischen Therapie verkürzt sich die Dauer der Ansteckungsfähigkeit auf etwa 5 Tage nach Beginn der Therapie

Diagnostik (zum Erstnachweis bzw. Verlauf)

PCR aus tiefen Nasopharyngealabstrichen o. nasopharyngealen Sekreten o. Material das beim Absaugen gewonnen wurde.

Serum auf Antikörper und respiratorisches Sekret in die Mikrobiologie

Keine Verlaufsdiagnostik aus rein hygienischer Indikation erforderlich.

Hygienemaßnahmen/Schutzmaßnahmen

Isolierung

Erforderlich bis 5 Tage nach Beginn einer wirksamen Therapie.

Kontaktpatienten

Für Mitpatienten sollte eine Postexpositionsprophylaxe erwogen werden.

Besucher

Die jeweiligen Patientenzimmer sind mit der Isolierungstafel zu kennzeichnen.

Alle Personen (Besucher wie Mitarbeiter) müssen sich vor dem Betreten des Zimmers im Stationsstützpunkt melden.

Die Besucher werden vom Stationspersonal über die Infektionsrisiken informiert und in die speziellen Hygiene­maßnahmen eingewiesen.

Grundsätzlich gelten die gleichen Hygienemaßnahmen wie für das medizinische Personal.

Ambulanter Bereich/Aufwachraum

Patienten müssen isoliert werden und können deswegen nicht gemeinsam mit anderen Patienten im Aufwachraum/Wartebereich versorgt werden.

Händedesinfektion

Händedesinfektion gemäß Basishygieneordnung.

Alle im Hause verfügbaren Händedesinfektionsmittel sind geeignet.

Einwirkzeit beachten!

Einmalhandschuhe

Erforderlich bei Kontakt mit erregerhaltigem Material, Körperflüssigkeiten oder Ausscheidungen

Nach dem Ablegen hygienische Händedesinfektion!

Schutzkittel

Erforderlich beim Umgang mit kontaminiertem Material, dem Patienten selbst oder der kontaminierten Umgebung.

Schutzkittel wird im Zimmer entsorgt.

Mund–Nasenschutz

Erforderlich!
(auch für geimpfte Personen, Impfschutz verhindert nicht einen asymptomatischen Trägerstatus!)

Patient:

siehe Patiententransfer

Wäscheentsorgung

Entsorgung im fest verschlossenen Wäschesack

Geschirr

Geschirrspülautomat, Betriebstemperatur > 60°C.

Sofern vorhanden, chemisch-thermische Desinfektion mit Gewerbegeschirrspüler

Pflege-/ Behandlungs- und Untersuchungsgeräte u.- Hilfsmittel (Medizinprodukte)

Nach Gebrauch desinfizierend reinigen bzw. Aufbereitung nach Herstellerangaben bzw. verwerfen

Abfallentsorgung

Normale Entsorgung (‘‘Krankenhausspezifische Abfälle‘‘ – AS 180104/180101/Abfallgruppe B);

Fäzes und Urin in die Kanalisation

Flächendesinfektion

Desinfektion nach Kontamination, bei Entlassung bzw. routine­mäßig laut Basis – Hygieneordnung
(siehe BHO: Desinfektion)

Desinfektionsmittel laut Desinfektionsplan

Patiententransfer

Die Patienten müssen zum Verlassen des Zimmers eine hygienische Händedesinfektion durchführen
(siehe Händedesinfektion).

Außerhalb des Zimmers hat der Patient einen Mund-Nasen-Schutz anzulegen, sofern dem nicht medizinische Gründe entgegenstehen

Besonderheiten im OP

Es ist nur aus organisatorischen Gründen (nicht aus hygienischen) sinnvoll die Patienten am Ende des Programms zu behandeln, da der Patient dann im Raum verbleiben kann und keine Problematik wegen der Isolierung im Aufwachraum oder in der Wartezone entsteht.

Besonderheiten für das Personal

Empfehlung der STIKO:

Sofern in den letzten 10 Jahre keine Pertussis-Impfung statt­gefunden hat sollte die nächste Tetanusimpfung einmalig als Kombinationsimpfung (Td+ Pertussis-Impfstoff) erfolgen (Impfungen müssen über den Hausarzt erfolgen).

Schwangere Mitarbeiterinnen:

Arbeiten auf Station ist möglich.

Kontakt mit dem erkrankten Patienten ist zu vermeiden.


Stand: November 2015


Pertussis (Keuchhusten)

II - Nukleinsäurenachweise

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